„Burning Life“ ist ein jährlich in Second Life stattfindendes Festival, das von Linden Labs erstmals 2003 ins Leben gerufen wurde und sich an das „Burning Man“ Festival im Reallife anlehnt, welches ebenfalls jährlich aber in der Wüste von Nevada veranstaltet wird.
Nicht-kommerzielle, vergängliche Kunst
Genau wie auf dem „echten“ Burning Man Fest geht es auch beim virtuellen Burning Life um alternative Kunst und ausgelassenes Feiern. D.h., man achtet sehr darauf, dass kommerzielle Aspekte außen vorbleiben. Musiker die auftreten dürfen keine „Tips“ entgegennehmen, Künstler die ihre Skulpturen ausstellen dürfen diese nicht zum Verkauf anbieten, Werbung ist in der offiziellen Group untersagt, usw. Im Reallife muss man allerdings inzwischen bis zu 295 Dollar Eintritt für das Festival zahlen, die virtuelle Variante bleibt ihrer nicht-kommerziellen Ausrichtung hier treuer.
Ein weiterer zentraler Aspekt ist die „Vergänglichkeit“ des Festes und der ausgestellten Kunst. Linden Labs stellt seinen Nutzern für Burning Life zwar 22 Sims zur Verfügung, diese werden jedoch samt Inhalt kurz nach dem Ende des einwöchigen Festivals wieder vom Grid entfernt. Genauso wie auch im Reallife vom Burning Man keine Spuren in der Wüste verbleiben sollen. Man baut dann einfach im kommenden Jahr wieder eine ganz neue „Stadt“ auf.

Motto 2008: „American Dream“
Jedes Jahr hat das Festival ein anderes Motto, im letzten Jahr war es der „Green Man“, was sich dann auch in SL erkennen ließ, da man in vielen Kunstwerken Kritik an der ökologischen Zerstörung unseres Planeten ablesen konnte (wobei es aber keinerlei Verpflichtung gibt, seine Kunst am Motto auszurichten).
In diesem Jahr lautete das Motto „American Dream“ und wurde in Second Life nicht mehr ganz so deutlich umgesetzt. Es gab jedoch Ausnahmen wie z.B. Strawberry Holidays „Burning Life Word Tree“ oder die viel gelobte „American Dreamer“ Installation von Jenne Dibou.

Die Vergabe der Ausstellungsplätze
Um die Vergabe der Ausstellungsplätze so fair und transparent wie möglich zu gestalten, entschied man sich dieses Jahr dafür, dass jeder der Interesse hat, auch die Chance bekommen soll, einen „Claim“ für sich zu reservieren. Dabei griff zunächst das Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Wer also am schnellsten auf den Sims nach dem Startschuss auftauchte, konnte sich dort einen Platz sichern. Einige vorher gesperrte Restplätze wurden anschließend verlost, so dass auch Nachzügler zumindest noch eine Chance hatten (wenn auch keine sonderlich große, da sehr viele SL-Residenten an der Verlosung teilnahmen).
Dieses offene Verteilungssystem führte dazu, dass man virtuelle Kunst auf sehr unterschiedlichem Niveau zu sehen bekam. Einige Teilnehmer hatten sich wirklich Gedanken gemacht und mal wieder etwas Einmaliges auf die Beine gestellt, andere wussten ihren Stellplatz offenbar nicht so richtig zu füllen und blieben in ihren künstlerischen Ausführungen eher bescheiden. Interessierten sei hier z.B. die offizielle Burning Life Flickr-Group empfohlen, die zahlreiche Eindrücke der Kunstobjekte liefert.

Die musikalische Begleitung
Mein Interessenschwerpunkt galt in diesem Jahr jedoch eher der musikalischen Begleitung. Denn die Besucher sollen nicht nur durch die Ausstellungsstücke auf die Burning Life Sims gelockt werden, sondern dort auch etwas länger verweilen, um Partys zu feiern, wofür ein möglichst breit angelegtes Musikangebot unabdingbar ist.
Zentraler Anlaufpunkt war hier die so genannte „Center Stage“, wo sich während des einwöchigen Festivals in der Regel die meisten Personen aufhielten und wo sich unter einem großen Zeltdach auch die Hauptbühne befand.
Hier hörte ich mir z.B. Acts wie Peregrine Singh oder Cypress Rosewood an, die zwar von den Anwesenden gefeiert wurden, jedoch eher für einen ruhigeren Musiktyp stehen, also nicht unbedingt klassische Stimmungsmacher sind. Es war jedenfalls keine Musik, zu der man sofort los tanzen würde. Für deutlich mehr Action sorgte da schon DJane Metallia Stygian mit sehr rocklastigen Titeln.
Während die „Center Stage“ zumindest immer gut besucht war, konnte man das von anderen Bühnen mit parallel stattfindenden Musikshows nicht unbedingt sagen. So erschien ich zwar Mitten im Konzert des Keyboarders Hiroshi Kumaki, war allerdings der einzige Gast. Auch die durchgängig laufende Party der United Federation Starfleet am „Wormhole“ war zumindest immer wenn ich vorbeischaute nur sehr schlecht besucht.

Uhrzeit der Abschlussveranstaltungen bis zuletzt geheim
Abgeschlossen wurde Burning Life wie immer mit zwei großen Events „The Man burns“ und „The Temple burns“. Wie auf dem echten Burning Man im RL, endet also auch die virtuelle Ausgabe mit dem Abfackeln einer riesigen Holzfigur. Das Spektakel lief zwei Mal ab, am Samstag um 3:30 AM und um 6 PM (SLT). Diese Uhrzeiten wurden jedoch erst sehr spät bekanntgegeben, womit ich den Termin leider verpasste.
Bei der zweiten traditionellen Zündelei, dem Abfackeln des Tempels war ich dann dabei, obwohl hier die Uhrzeit auf der Website erst gar nicht bekanntgegeben wurde. Über die offizielle Group erfuhr ich jedoch zumindest, dass jemand glaubte, es sei um 6 PM SLT soweit, was dann auch stimmte (tatsächlich gab es wohl bereits um 3 PM eine weitere „Show“).
Unklar bleibt, warum der genaue Zeitpunkt der beiden Abschluss-Feuer anders als im letzten Jahr so geheim gehalten wurde. Vermutlich um zu verhindern, dass die vier Sims auf die sich das Spektakel dann jeweils verteilte unter dem Ansturm einbrachen. Was nur bedingt gelang, denn der Lag war wie immer bei solchen Massenveranstaltungen mörderisch und ich bin mir nicht sicher, ob zwischendurch nicht doch zumindest eine der vier Sims kurz weg vom Fenster war.
Darüber hinaus kann diese Geheimniskrämerei mit der Uhrzeit natürlich auch als vorbeugende Maßnahme gegen mögliche Griefer-Attacken gewertet werden. Nach dem Motto, je später die Uhrzeit bekanntgegeben wird, desto schwerer dürfte es möglichen Störern fallen, einen koordinierten Angriff auf die Veranstaltung durchzuführen.

Resümee
Ähnlich wie bei der alljährlichen Geburtstagsfeier von Second Life gibt es auch beim Burning Life immer wieder eine Diskussion, inwiefern solche offiziellen von Linden Labs initiierten (aber weitgehend von freiwilligen Helfern geplanten und durchgeführten) Events überhaupt noch nötig sind.
Erstens gibt es inzwischen viele andere Festivals in Second Life (die nicht von LL ausgehen), zweitens gibt es immer wieder Kritik an der schlechten Organisation / Kommunikation und an der Ausnutzung der SL-Nutzer durch LL (siehe dazu z.B. Gwyneth Llewelyn, „The SL5B Drama: Crowdsourcing Fiasco Or Devious Plan?“).
Demgegenüber steht die immer noch hohe Annahme der Festivals durch die Nutzer, wie jetzt auch wieder beim Burning Life zu sehen war. Viele SL-Residenten haben atemberaubende Kunstwerke aufgestellt und ein einfacher Blick auf die Map zeigte zu jeder Tages- und Nachtzeit, dass die 22 Sims sicherlich nicht unter Besuchermangel litten.
Etwas schwach war jedoch wie oben ausgeführt das musikalische Rahmenprogramm. Die „Center Stage“ war zwar immer gut besucht, die Musik jedoch oft etwas dröge und für meine Begriffe leicht einschläfernd. Jenseits der „Center Stage“ schienen viele Konzerte dagegen gar nicht erst wirklich in Gang zu kommen, hier fehlte dann oft wirklich Publikum für eine Party.
Einmal mehr offenbarte Burning Life zudem nicht nur die kreative Vielfalt in Second Life, sondern eben leider auch die technischen Schwächen des Systems, das sofort anfängt laggy zu laufen, wenn nur mehr als 25 Personen am selben Ort auf einer Sim zusammenkommen. Der Versuch dieses Problem zu lösen, indem man aus der genauen Uhrzeit der Abschluss-Events bis kurz vor Beginn eine Art „Staatsgeheimnis“ macht, um so vermutlich auch die Anzahl der Anwesenden zu drücken, gibt zudem ein eher fragwürdiges Bild ab.




